Wenn Markus Rupprecht aus seinem loftartigen Büro im Frankfurter Westhafen schaut, hat er zwar keine Aussicht auf die Skyline – dafür aber einen klaren Blick auf das, was Banken für ihren Wandel tun müssen: „Völlige Fokussierung auf Kundenbedürfnisse“, bringt es der Gründer und CEO der Traxpay AG auf den Punkt. Was das bedeutet und welche Unterschiede zwischen Finanzkonzern und Fintech-Unternehmen bestehen, kann der frühere Bankmanager aus eigenem Erleben beurteilen. Mit seinem Fintech-Team arbeitet Rupprecht nicht gegen das Geschäftsmodell von Banken, sondern kooperiert und arbeitet mit ihnen an der Transformation.

Frankfurt Westhafen, unweit des Mains: in einer kleinen Seitenstraße zwischen Neubauviertel, Finanzamt und Bahnhofsgebiet führt eine schmale Durchfahrt in den Hinterhof eines ehemaligen Fabrikgeländes. Hinter Backstein-Mauern öffnet sich im dritten Stock der Blick auf ein loftartiges, langgezogenes Großraumbüro mit zwei Glaskästen als Besprechungsräumen. Überdimensionale, fast deckenhohe X-Buchstaben in Grau flankieren den Korridor. An den Schreibtischen hocken junge Mitarbeiter und blicken konzentriert auf ihre Bildschirme. Von einem Dreiertisch erhebt sich Markus Rupprecht, schnappt seine 1,5-Liter-Wasserflasche und schlendert in einen der beiden Glaskästen. Willkommen bei Traxpay.

Was Traxpay ist und wie es funktioniert

Traxpay – das ist ein Fintech-Unternehmen der ersten Stunde. Im Jahr 2009 kam Markus Rupprecht, damals noch für Hitachi Consulting tätig, die Idee zu einem Mittler zwischen Banken und Industrieunternehmen. „Und dann haben wir im Gründerteam schrittweise das Geschäft aufgebaut. Als Banker war das gar nicht so einfach, denn Du brauchst ja immer für die Umsetzung einen Techie“, erzählt Rupprecht. Das heutige Geschäftsmodell von Traxpay funktioniert so: ein Industrieunternehmen (als Firmenkunde einer Bank) hat eine Rechnung zu bezahlen, gibt diese frei und teilt Traxpay die Rechnungsdetails über eine ERP-Schnittstelle (z.B. via SAP) mit. Zugleich gibt der Firmenkunde an, zu welchem Abschlag er bereit ist, die Rechnung vorzeitig und nicht erst zum Fälligkeitstermin zu bezahlen.

Der Rechnungssteller teilt daraufhin über Traxpay mit, ob er das Angebot akzeptiert. Der Firmenkunde kann entscheiden, ob er die Rechnung aus freier Liquidität bezahlt oder ob er dafür das Reverse Factoring seiner Bank nutzt. Der Rechnungssteller erhält vorzeitig sein Geld und Traxpay sorgt mit seiner dynamischen Finanzierungsplattform für die Abwicklung mit der Bank zum Fälligkeitstag sowie für die automatische Verbuchung des Geschäftsvorfalls auf beiden Seiten.

Banken als Kooperationspartner von Fintechs – früher undenkbar

Mittlerweile arbeitet Traxpay mit verschiedenen Banken zusammen, darunter die Norddeutsche Landesbank und die Landesbank Baden-Württemberg. Und weitere große internationale Geschäftsbanken stehen im Westhafen auf der Matte. „Die Offenheit der Banken für eine Kooperation mit Fintechs ist heute größer als nie zuvor“, berichtet Rupprecht. „Wir haben es kürzlich geschafft, innerhalb von sechs Monaten nach dem ersten Pitch zu einem Abschluss zu kommen – und das bei einem für die Bank neuen Ansatz und eigentlich langen Entscheidungsprozessen. Vor 5 Jahren wäre so etwas undenkbar gewesen“, sagt Rupprecht und sieht darin Anzeichen für ein Umdenken in der Branche.

Neue Offenheit der Banken statt Regulierung als Ausrede

Dies erscheint auch dringend nötig, wenn die Finanzinstitute ihre Zukunft sichern wollen. Denn der Grund für das Entstehen von Fintechs liegt nach Ansicht des Traxpay-Gründers in den Banken selbst: „In vielen Instituten nutzen Entscheider die Regulierung als gute Ausrede, um sich nicht verändern zu müssen. Aber wie heißt es so schön: „Customers don’t care about the good reasons for bad products“, schmunzelt Rupprecht und trinkt aus seiner Wasserflasche. Völlige Fokussierung auf die Kundenbedürfnisse sei für Banken der Schlüssel zum Erfolg, anstatt sich überwiegend damit zu befassen, wie man das Geschäftsmodell an den regulatorischen Vorgaben ausrichtet. Ausreden helfen als Unternehmer eben nicht weiter.

Als Unternehmer musst Du entscheiden – im Konzern darfst Du keine Fehler machen

Diese Erkenntnis hat Markus Rupprecht im Laufe seiner Selbstständigkeit längst gewonnen und zugleich die Unterschiede zu seiner früheren Karriere im Konzern erlebt. „Als Unternehmer kann ich nichts aussitzen, sondern bin zu vielen Entscheidungen gezwungen – ob das dann richtig oder falsch ist, spielt allein für den Grad des Erfolgs eine Rolle“, meint Rupprecht und erwähnt im selben Atemzug, was im Konzern anders läuft: „In aller Regel werden dort Kollektiventscheidungen getroffen. Der Einzelne hat nicht die Macht, etwas durchzuentscheiden. Als Manager kannst Du Dir keine Fehler erlauben. Deshalb ist die Entscheidungsfähigkeit im Konzern auch in den Vorstandsetagen stark limitiert.“ Die Risikobereitschaft und Freiheit des Unternehmers, ohne Absicherung bzw. Sicherheitsnetz auch über existenzielle Themen unter hohem Zeitdruck entscheiden zu können, sei ein großer Unterschied zum Manager. Damit verbunden seien unternehmerische Kreativität, Kraft und Flexibilität in der Umsetzung. „Das soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass gerade im B2B-Bereich gegenüber Kunden eine Null-Fehler-Philosophie unabdingbar ist“, sagt Rupprecht, „aber es gibt halt noch so viel mehr Entscheidungen, die man treffen muss! Und selbst auf der Produktseite dauert es in großen Banken manchmal Wochen, um zu entscheiden, ob ein bestimmter Button etwas mehr oben ist oder weiter unten. Auch das ist bei einem Start-up anders: Einfach mal tun und dann die Kunden fragen.“

Berufserfahrung und erste unternehmerische Schritte erleichtern den Absprung

Ohne bankfachliches Know-how und erste Erfahrungen als Unternehmer wäre Markus Rupprecht der Sprung in die Selbstständigkeit wohl kaum gelungen. Wie viele andere Gründer auch, absolvierte er zunächst eine Bankausbildung und arbeitete parallel zum BWL-Studium bei der Deutschen Bank. Insgesamt zehn Jahre war er im größten Geldhaus Deutschlands vor allem im Firmenkunden- und Zahlungsverkehrsgeschäft beschäftigt – und sammelte dort wertvolle Erfahrungen für Traxpay. „Der Wille zum Unternehmertum war immer schon da, aber als Banker hast Du damals wenig Fantasie gehabt, in welchem Bereich das sein könnte“, erinnert sich Rupprecht. Dann aber kam um die Jahrtausendwende der Internet-Boom und Rupprecht wechselte mit seinem Bankwissen zu GFT Technologies, einem Technologie-Unternehmen für die digitale Transformation im Finanzsektor. Drei Jahre später baute er mit epay.com ein erstes Start-up auf und sammelte unternehmerische Erfahrungen. Das machte ihm später den Schritt zur Gründung von Traxpay leichter.

Privater Rückhalt, Mut zur Lücke und die richtigen Prioritäten

„Wenn Du Dein Schicksal selbst in die Hand nehmen willst, brauchst Du dafür natürlich auch den Rückhalt im privaten Umfeld“, betont Rupprecht. Gut, dass seine Frau als selbstständige Sängerin den Schritt in die Selbstständigkeit schon damals unterstützte. Denn die Auswirkungen sind intensiv: „Als Unternehmer drehst Du Dich um und da steht dann niemand – anders als im Konzern, wo es für alles jemanden gibt: IT-Probleme, Reisekosten oder vor allem Rechtsfragen. Wer sich aus dem Konzern heraus selbstständig macht, hat auf einmal ein breites Aufgabenspektrum, das von Administration bis zu vielen fachlichen Themen reicht. Und die Probleme musst Du dann selber lösen“, stellt Rupprecht fest. Mut zur Lücke sei dafür entscheidend; für Perfektionisten sei das Unternehmertum deshalb wohl eher ungeeignet: „Du darfst Dich auch unter hohem Druck nicht verrückt machen lassen und musst Du die richtigen Prioritäten setzen.“ Letztlich seien aber immer auch Glück und Zufälle wichtig für den unternehmerischen Erfolg.

Mit dieser Einstellung hat Markus Rupprecht es geschafft, Traxpay zu einem international führenden Fintech-Unternehmen aufzubauen, das mittlerweile etwa 20 Mitarbeiter in Frankfurt und Mountain View/Silicon Valley zählt. Verschiedene Finanzierungsrunden liegen hinter Traxpay und namhafte Investoren haben angeklopft. „Unternehmertum ist von direkten Erfahrungen geprägt und wie eine Achterbahnfahrt. Dazu muss man Entscheidungen treffen und mit den Konsequenzen leben. Letztlich geht es um Spaß, Selbstverwirklichung und darum, beruflich wie persönlich etwas zu bewirken“, blickt Markus Rupprecht zufrieden auf seine Rolle als konzernerfahrener Unternehmer zurück.

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