Blockchain hat das greifbare Potenzial, die Wirtschafts- und Arbeitswelt branchenübergreifend auf den Kopf zu stellen. Insbesondere standardisierbare Abläufe in Unternehmen und Intermediär-Funktionen werden zunehmend ersetzbar. Dies ist eine der wesentlichen Erkenntnisse aus Workshops, Vorträgen und Podiumsdiskussionen bei der „Crypto Assets Conference 2018“. Die Quintessenzen aus den verschiedenen Redebeiträgen hat manage:preneur in 16 Thesen fixiert.

Im Rahmen der von der Frankfurt School of Finance and Management am 26./27. Februar 2018 erstmals ausgerichteten Veranstaltung kamen Blockchain-Experten aus Start-ups, Finanz- und Realwirtschaft, Zentralbanken, Finanzaufsicht und Wissenschaft zusammen. Inhaltlich ging es um Blockchain u.a. im Hinblick auf Wertpapierhandel, Unternehmensfinanzierung/Kapitalaufnahmen, Industrie 4.0 und Smart Contracts. Um die Chancen des Wandels zu nutzen, sollten sich Unternehmen und Mitarbeiter schon jetzt auf die Veränderungen einstellen und eine aktive Rolle übernehmen. Auf welche Aspekte dabei besonders geachtet werden sollte, zeigen diese 16 Thesen:

1.) Zusammen mit Data Science und Künstlicher Intelligenz wird Blockchain die Geschäftswelt in der bestehenden Form revolutionieren – einschließlich der universitären und beruflichen Ausbildung. So besteht eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass Berufsbilder beispielsweise im Controlling vollständig digitalisiert werden.

2.) Bislang sind Crypto Assets in keiner Weise mit der Realwirtschaft verknüpft gewesen. Dies ändert sich, da zahlreiche Crypto Fonds derzeit im Entstehen sind (weltweit wird ihre Zahl aktuell auf etwa 250 geschätzt) und den Konnex zur Realwirtschaft herstellen.

3.) Künftig wird es zu einem globalen Wettbewerb zwischen verschiedenen Währungsarten (Kryptowährungen, reale Währungen) kommen. Dies wird Zentralbanken und Regierungen in Zugzwang bringen, da Kryptowährungen nicht an einen bestimmten Währungsraum gebunden sind.

4.) Waren Enterprise Blockchains und Crypto Assets bisher noch überwiegend voneinander getrennt, so verschmelzen diese Bereiche perspektivisch. Corporates dürften dabei vermutlich insbesondere auf Corda und Public Blockchains auf Ethereum setzen.

5.) In 10 Jahren werden voraussichtlich die meisten aller Finanztransaktionen über eine Blockchain-Technologie abgewickelt werden. Die Finanzwirtschaft wird „uberisiert“ und disruptiert; wer sein Geschäftsmodell derzeit noch durch Zugangsbarrieren zu schützen versucht, wird sich mittelfristig gegen Disintermediation nicht mehr stemmen können. Banken sollten ihr Geschäftsmodell aus der Sicht eines Unternehmers betrachten, in Frage stellen, weiterentwickeln und den Wandel aktiv in die Hand nehmen.

6.) Nachdem es in den vergangenen 20 Jahren eine Dematerialisierung von Informationen (konkret: E-Mails und Chats statt Briefpost) gegeben hat, könnte es in naher Zukunft auch zu einer Dematerialisierung von Wertgegenständen (konkret: Cryptowährung statt Bargeld oder Edelmetallen) kommen.

7.) In der Public Blockchain wird es nach aller Voraussicht nicht zum Verbot von Crypto Assets kommen, weil technisch eine Verlagerung in andere Länder ohne weiteres möglich wäre.

8.) Allerdings wird die Regulierung von Crypto Börsen zunehmen, d.h. es wird perspektivisch zu Lizenzvergaben analog zu herkömmlichen Börsen kommen.

9.) Im Jahr 2017 wurden nach Experten-Schätzungen zusätzliche Steuereinnahmen in Höhe von etwa € 726 Mio. durch Crypto Assets für den deutschen Fiskus generiert.

10.) Die Bitcoin Preise werden steigen (in mehr als 80 Börsen hard-coded).

11.) Crypto Assets mit Infrastruktur-Bezug werden stark wachsen. Dies schließt Projekte wie etwa EOS, IOTA, Lisk und NEO ein.

12.) Einige der Schlüsselanwendungen von Blockchain werden im Internet of Things und in Entwicklungsländern liegen. Denn diese Bereiche sind für Finanzdienstleister bisher unattraktiv gewesen und lassen sich durch Blockchain nun ohne weiteres erschließen.

13.) Initial Coin Offerings (ICOs) werden die Venture Capital Branche disruptieren, da VC Fonds letztlich nur Intermediäre zwischen Anlegern und Start-ups sind. ICOs werden voraussichtlich ein wesentliches Instrument, um Unternehmens- und Projektfinanzierungen zu realisieren. Angesichts dessen sollten sich VC Fonds verstärkt u.a. auf Seed Finanzierungen konzentrieren.

14.) Einzelne Industrieunternehmen (als Beispiele wurden u.a. Daimler und Bosch genannt) beginnen schon jetzt, in Crypto Assets und Crypto Währungen (anstelle bisheriger Eigenkapital-Anlagen) zu investieren und sich mit den damit verbundenen regulatorischen Aspekten zu befassen.

15.) Die Innovation im Bereich Crypto Assets einschließlich R3/Corda wird derzeit ganz überwiegend durch Start-ups und nicht durch Entwicklungsabteilungen von Konzernen getrieben. Große Unternehmen nutzen die Technologie zwar, treiben sie aber nicht selbst voran.

16.) In China beispielsweise hat Blockchain einen hohen Stellenwert, da das Land wirtschaftliche Verbindungen mit zahlreichen Entwicklungsländern unterhält und sich Blockchain-Anwendungen zur vertrauenswürdigen Abwicklung von Transaktionen einsetzen lassen.

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